Paul Craig Roberts
Infowars.com
May 20, 2011

Übersetzung, leicht gekürzt, durch politaia.org

Die Polizei und die Medien haben es soweit gebracht, dass Dominique Strauss-Kahn (DSK) ein fairer Prozess unmöglich gemacht wird. Vom dem Moment an, an dem DSK wegen Verdachts auf Vergewaltigung eines Zimmermädchens verhaftet wurde und bevor er jemals angeklagt wurde, waren die Beschuldigungen durch die Polizei derart, dass der Eindruck entstand, DSK sei schuldig…….

Ein New Yorker Richter verweigerte DSK aufgrund der polizeilichen Darstellungen wegen Fluchtgefahr die Freilassung.

Sobald er im Knast war, eröffnete die Polizei, dass DSK wegen Suizidgefahr unter Beobachtung stünde. Das ist eine Methode, um der Öffentlichkeit den angeblichen Vergewaltiger als indirekt geständig zu diffamieren, insofern als dieser sich das Leben nehmen wolle, um einer öffentlichen Erniedrigung auszuweichen.

Was aber in Wirklichkeit passierte:  DSK bemerkte nach seiner Ankunft am Flughafen auf dem Wege zu seinem Linienflug , dass er sein Mobiltelefon vermisste. Er rief daraufhin das Hotel an, dem Ort des angeblichen Verbrechens. Eine Person auf der Flucht vor seinem Verbrechen ruft am Tatort an,  fragt nach seinem Mobiltelefon und erzählt (dem Personal), wo es sich befinden könne. Seltsam, nicht?

Dann passieren in schneller Aufeinanderfolge folgende Dinge und das Ganze stinkt nach beabsichtigter Inszenierung: Ein Französin tritt in die Öffentlichkeit und erklärt, dass sie vor zehn Jahren beinahe von DSK vergewaltigt worden sei. Diese Geschichte  folgte der Behauptung von Kristin Davis, der Puffmutter, die schon den New Yorker Bürgermeister Elliot Spitzer zu Fall gebracht hatte, dass eine ihrer Nutten sich geweigert hätte, DSK ein zweites Mal zu bedienen, weil er zu grob beim Akt sei.

Nachdem nun die Jagdsaison würdig eröffnet worden ist, kann jede Frau, die sich Vorteile aus Publicity erhofft und deren Konto leer ist, in die Öffentlichkeit treten und sich als Opfer von DSK ausgeben.

Das soll nun nicht heißen, dass DSK keinen übermäßigen Appetit auf Sex hätte. Das heißt lediglich, dass lange vor einer Anhörung des  Zimmermädchen durch  eine Jury oder lange bevor ein Staatsanwalt äußert, dass das Zimmermädchen zu traumatisiert sei, um vor Gericht zu erscheinen, eine (künftige) Jury bereits auf den Schuldspruch programmiert ist……

ch habe über die Ungereimtheiten des Falls berichtet. Eine der Merkwürdigkeiten ist, was in der französischen und britischen Presse veröffentlicht wurde und was einen politischen Mitkämpfer von Sarkozy betrifft. Dieser heißt Jonathan Pinet. Er twitterte die Neuigkeiten von der Festnahme von DSK an Arnaud Dasier, einem PR-Ratgeber von Sarkozy, und zwar bevor der Fall von der New Yorker Polizei bekanntgegeben wurde.

Pinets Erklärung für diesen Umstand war die, dass ein “Freund” im Sofitel-Hotel, dem angeblichen Tatort, ihm davon erzählt hätte. Ist das nur ein Zufall? Ein Mann mit der Aufgabe, die Wiederwahl Sarkozys gegen die Bedrohung durch DSK sicherzustellen, hat einen Freund im Sofitel. Hat die Polizei den Mann eingeschleust, bevor sie ihre öffentliche Erklärung abgab. Wenn ja, warum?

Warum sollte die Polizei – wenn sie tatsächlich echte Beweise für die Schuld von DSK hat – ihn öffentlich derart bloßstellen? In der Regel passieren solche Bloßstellungen, wenn es keine Beweise gibt oder wenn Beweise erfunden werden müssen, die keiner Untersuchung standhalten.

Aus meiner eigenen Erfahrung in Washington halte ich auch andere Aspekte des Falles für merkwürdig. DSK hat sich für das Establishment zu einer Bedrohung entwickelt. Umfragen zeigten, dass er als Kandidat der Sozialisten den Kandidaten der Amerikaner Sarkozy besiegen würde. Vielleicht waren es nur wahltaktische Gründe im Wahlkampf gegen Sarkozy, aber DSK deutete an, den IWF von seiner Politik (die Armen für die Fehler der Reichen bezahlen zu lassen) wegführen zu wollen. Er sprach von einer Restrukturierung der Steuer- und Ausgabenpolitik dergestalt, dass die Wirtschaft nicht nur den Bankstern zu dienen habe, sondern auch den normalen Menschen. DSK forderte eine erneute Regulierung der Finanzmärkte und deutete an, dass eine größere Umverteilung der Einkommen nötig wäre.

Diese Bemerkungen und der wahrscheinliche Sieg in den französischen Wahlen forderten das Establishment in doppelter Weise heraus. Eine dritte Herausforderung war der neueste Bericht des IWF mit der Aussage, dass China die USA innerhalb der nächsten 5 Jahre als führende Wirtschaftsnation ablösen werde.

Leute, welche ihr berufliches Leben nicht in Washington verbracht haben, werden die Bedrohung hinter der Aussage des IWF vielleicht nicht verstehen. Verdientermaßen oder auch nicht, der IWF hat eine Menge Glaubwürdigkeit. Indem der IWF China an der Spitze der Weltwirtschaft bis zum Ende der nächsten Präsidentschaftsperiode setzt, stößt er einen Dolch in das Herz der amerikanischen Hegemonie. Die Macht Washingtons beruht auf der wirtschaftlichen Überlegenheit der USA. Der IWF-Bericht sagt aus, dass diese nun zu Ende sei.

Diese Art von Ankündigung erzählt der politischen Welt, dass das Zeitalter Amerikas vorbei ist. Erstmals seit Jahrzehnten sehen andere Staaten die Möglichkeit, der US-Herrschaft zu entkommen. Sie müssen nicht mehr die Marionetten als Teile des hegemonialen Imperiums spielen. Sie sehen die Change, endlich ihren eigenen Völkern zu dienen und nicht mehr den Interessen Washingtons. Die europäischen Staaten zum Beispiel, welche gezwungen sind, in Afghanistan und Libyen für die Amerikaner zu kämpfen, sehen Licht am Ende des Tunnels. Sie können nun darüber nachdenken, ihre Gefolgschaft zu verweigern.

Obwohl DSK reich und Mitglied des Establishments ist und unabhängig davon, wie er sich Frauen gegenüber verhält, so hat er doch den Fehler gemacht: Er hat offengelegt, dass er so was wie ein soziales Gewissen hat. Entweder dieses soziale Gewissen oder die Hybris der Macht verleiteten ihn dazu, Amerika herauszufordern. Das ist ein unverzeihliches Verbrechen und dafür muss er bestraft werden.

Mein Freund Alexander Cockburn, eine intelligente und zivilisierte Person, die oft von rechtsgerichteten Kreisen fälschlicherweise als Kommunist bezeichnet wird, hat nicht die Erfahrung, wie sie ich in Washington gesammelt habe. Folglich meint er, dass die Fakten an den Tag kommen werden, wenngleich er es vorzieht, wenn die Fakten zugunsten des Zimmermädchens sprächen.

Wenn Alex ein Bolschewik wäre, als den er sich ausgibt, wäre ihm klar, dass keine hochgestellte Person im Dienste des Establishment auf der Basis von Aussagen eines eingewanderten Zimmermädchens, welches in einer AIDS-Hilfe-Unterkunft haust, ruiniert wird. Allein der Gedanke, dass das US-Establishment in diesem Ausmaße der Gerechtigkeit frönt, ist eine totale Absurdität. Amerikaner sind absolut gleichgültig gegenüber Ungerechtigkeit. Die amerikanische Öffentlichkeit akzeptiert achselzuckend, dass Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Frauen, Kindern und Alten in den US-Kriegen im Irak, Afghanistan, Pakistan, Yemen, Libyen und Somalia ermordet, vertrieben und enteignet werden. Wo immer Washington und der militärisch-industrielle Komplex – denen es nur um Macht und Profit geht – den Krieg gegen den Terror  hintragen unter dem Deckmantel, die Amerikaner zu schützen oder Demokratie zum Erblühen zu bringen- es ist der amerikanischen Öffentlichkeit gleichgültig.

Die amerikanische Strafjustiz wimmelt von Fehlurteilen und stinkt vor Ungerechtigkeit. Die USA haben eine weit höhere Häftlingsrate als die so genannten autoritären Regime wie China und zerstören auf Routinebasis das Leben von jungen Menschen oder sogar von Müttern kleiner Kinder, weil sie Drogen einnehmen.

Die Anklage von DSK dient mehreren emotionalen Bedürfnissen von Konservativen, Linken, Feministen und dem Establishment gleichermaßen. Die Konservativen mögen die Franzosen nicht, weil sie die Invasion des Iraks nicht unterstützten. Die Linken mögen keine weißen Reichen und IWF-Mitarbeiter und Feministen mögen keine Weiberhelden. Aber selbst wenn die Anklagen gegen DSK im Gericht zu Fall gebracht werden, ist DSK bezüglich der französischen Präsidentschaftswahlen und seiner Stellung beim IWF erledigt. Und genau das spielt die maßgebende Rolle; nicht etwa Gerechtigkeit für ein eingewandertes Zimmermädchen.

Viele Amerikaner sind unfähig zu begreifen, dass die Behörden eine Bedrohung beseitigen, indem sie jemanden einlochen. Aber es ist schon viel Schlimmeres passiert. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Francesco Cossiga hat ausgesagt, dass viele der Bombenanschläge in der Zeit zwischen 1960 und 1980 in Europa durch die CIA und den italienischen Geheimdienst ausgeführt wurden, um die Wähler vor der kommunistischen Partei abzuschrecken. Cossigas Aussagen führten zu einer parlamentarischen Untersuchung, innerhalb derer der Geheimdienstmitarbeiter Vincenzo Vinciguerra folgendes von sich gab:

“Man musste Zivilisten, das Volk, Frauen, Kinder, unschuldige Leute und unbekannte Personen jenseits jeglichen politischen Engagements angreifen. Der Grund war einfach: Man wollte die Öffentlichkeit nach mehr Staat rufen lassen, um die Sicherheit zu gewährleisten.”

Wenn demokratische Staaten unschuldige Leute aus politischen Gründen umbringen, warum sollten sie dann nicht jemanden einlochen. Schuldig oder nicht, DSK wurde vor seinem Richterspruch schon eingesperrt.

Quelle: http://www.politaia.org/politik/das-establishment-eliminiert-eine-bedrohung-paul-craig-roberts/