Kopp Verlag: Muammar al-Gaddafi war als einziger arabischer Machthaber auf die kommende Flut von Unruhen, die den Mittleren Osten und Nordafrika überschwemmten, sehr gut vorbereitet und hatte frühzeitig entsprechende Ressourcen in ständiger Bereitschaft gehalten, um seinen Sturz zu verhindern. Mit ihrer Hilfe konnte er den Ansturm bisher wirksam zurückschlagen.
In den letzten beiden Jahren hatte er seine 70.000 Soldaten umfassenden regulären Streitkräfte durch häufige, unangekündigte persönliche Inspektionen auf Trab gehalten. Bei jeder dieser Inspektionen veranlasste er die überraschende Entlassung von Kommandeuren und ihren Ersatz durch ihm loyal ergebene Offiziere, die in geheime Ausbildungslager geschickt wurden. Ständig wurden Soldaten in andere Einheiten versetzt, um zu verhindern, dass sich Soldaten eines Stammes gegen in verschwören könnten. Gaddafi besetzte seine Eliteeinheiten wie Spezialkommandos, die Luftwaffe, die Marine und den militärischen Geheimdienst mit Angehörigen seines Stammes, die sein ausdrückliches Vertrauen besitzen.

Im Allgemeinen schätzte er die Loyalität der gemeinen Soldaten höher als die der Offiziere ein, was ihn zu seiner zweiten Vorsichtsmaßnahme brachte. Er schuf eine geheime zusätzliche Parallel-Armee, die praktisch die gleiche Größe wie die normale Armee aufweist und in drei Milizen unterteilt ist. Wären westliche Geheimdienste aufmerksamer gewesen, hätten sie die überraschende Entdeckung gemacht, dass sich diese Nebenarmee am Vorbild der revolutionären Volksmiliz orientierte, die Gaddafi in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgebaut hatte, als er eng in die Aktivitäten von Terrororganisationen des Nahen und Mittleren Ostens oder mit islamistischem Hintergrund verwickelt war.  mehr beim KV…