ASuR:  Am 19. Januar hatte ich die Gelegenheit mit dem Botschafter der Islamischen Republik Iran in der Schweiz, seine Exzellenz, Herr Alireza Salari, ein Interview zu führen. Das Gespräch dauert ca. 2 1/2 Stunden, dabei gab uns der Botschafter einige sehr interessante Information über sein Land. So hatte der Iran bis Ende 2010 den niedrigsten Benzinpreis der Welt, mit 7 Eurocent pro Liter. Dieser wurde stark subventioniert, was aber jetzt aufgehoben wurde, weil zu kostspielig und um Energiesparmassnahmen zu fördern. Der Liter kostet nun 28 Eurocent.

Der Iran investiert viel in alternative Energien. So sind in den letzten Jahren zahlreiche Wasserkraftwerke, Solaranlagen und sogar Erdwärmekraftwerke welche die Geothermie ausnutzen erstellt worden. Der Iran hat eine Einwohnerzahl von 74 Millionen und ist von der Fläche her ca. 4 1/2 grösser als Deutschland. Der Botschafter meint, das Bruttoinlandsprodukt welches in den westlichen Publikationen angegeben wird ist viel zu niedrig mit 383 Milliarden Dollar. Tatsächlich liegt der BIP über 1 Billion Dollar und der Iran ist führend in vielen Bereichen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Iran wird völlig unterschätzt.

Was mir jedenfalls positiv aufgefallen ist, wie offen und freundlich wir in der Botschaft empfangen wurden, völlig konträr zu dem was man beim Besuch anderer offizieller Vertretungen des Westens erlebt. Da wird man wie ein Terrorist behandelt und ihr wisst wen ich meine. Das Interview wurde live geführt, ohne irgendwelche Vorbedingungen. Eigentlich ging es um ein Gespräch um sich kennen zu lernen. Auf die Frage ob ich ein Interview mit ihm führen kann, hat Herr Salari spontan ja gesagt und so kam es zustande.

Freeman: Vielen Dank Herr Botschafter für die Möglichkeit mit Ihnen ein Interview zu führen. Das erste was mich bereits beeindruckt, ist wie offen sie uns empfangen haben. Es gab kein besonderes Protokoll, wir wurden sehr freundlich begrüsst. Ist das so wie der echte Iran ist, ein offenes und freundliches Land?

Botschafter: Die Schweiz ist für uns keine Bedrohung, deshalb, warum sollen wir uns Sorgen machen. Wir sind immer offen für unsere Brüder und Schwestern aus der Schweiz, mit denen wir viele gemeinsame Prinzipien teilen und wir sind der Meinung, wir sollten mehr und mehr kooperieren und das Verständnis erhöhen und gute Beziehungen pflegen.

Freeman: Ich habe die Daten studiert und möchte Sie fragen, können Sie uns etwas über die Fähigkeiten des Iran erzählen und wie sich das Land in den letzten Jahren entwickelt hat?

Botschafter: Mit Gottes Segen hat sich der Iran, der vor 40 Jahren ein sehr unterentwickeltes Land war, zu einem bedeutenden Entscheidungsträger in der Welt gewandelt und speziell zu einem guten Partner in unserer eigenen Region. Wir Iraner erinnern uns noch an die Zeit vor der Revolution, wo wir 6 Millionen Fass Öl pro Tag exportiert haben und dafür alle benötigten Güter und Dienste aus dem Ausland importierten.

Aber jetzt produziert der Iran die meisten Notwendigkeiten selber, die meisten Güter und Dienste welche die iranische Bevölkerung benötigt. Wir sind ein bedeutender Produzent sehr wichtiger Güter geworden, die in der Industrie und im Bausektor verwendet werden. Wir stehen an 12. Stelle in der Liste der Hersteller von Automobilen auf der Welt, was tausende andere Zulieferbetriebe entstehen lies. Der Iran produziert fast 1,5 Millione Fahrzeuge pro Jahr, was die Leistungsfähigkeit der untergeordneten Betriebe die dazu notwendig sind zeigt.

Wir sind der fünfgrösste Produzent von Zement auf der Welt, was zeigt, wie viel im Land gebaut wird. Dann sind wir der achtgrösste Produzent von Eisen auf der Welt, was wiederum zeigt, wie breit gestreut unsere Fähigkeiten geworden sind. Dieser Erfolg wurde erreicht, trotz 32 Jahre Sanktionen, 8 Jahre eines blutigen Krieges der uns aufgezwungen wurde und die schlimmsten Terroraktivitäten die von ausländischen Mächten unterstützt wurden; und das kam dabei heraus. Jedes mal wenn wir mehr gegen die Wand gedrängt werden, lernen wir mehr auf den eigenen Füssen zu stehen und werden Selbstversorger in den verschiedenen Bereichen.

Freeman: Das heisst, die Sanktionen haben geholfen ihre Wirtschaft zu stärken und selbstständig zu werden?

Botschafter: Ja. Die Sanktionen waren am Anfang sehr unangenehm, denn sie entzogen uns die berechtigten Grundlagen des täglichen Lebens. Das war kurzfristig gesehen. Mittel- und Langfristig zwangen sie uns selbstständig zu werden, machten es notwenig unsere Muskeln zu stärken.

Freeman: Haben Sie das Gefühl, unfair von der Welt behandelt zu werden, dass die Weltöffentlichkeit ein völlig falsches Bild vom Iran hat und was das Land für die eigenen Menschen will? Glauben Sie das Bild ist völlig verzerrt?

Botschafter: Sprichwörtlich. Das Bild des Iran ist ständig verzerrt worden, weil eines unserer Motto lautet, Unabhängigkeit … und Neutralität, betreffend vieler Themen der Welt. Selbstverständlich nicht eine Neutralität gegenüber Unterdrückung. Wir haben alle Menschen die unterdrückt werden unterstützt, so wie es unsere Verfassung verlangt. Das ist die Hauptsünde des iranischen Volkes, weil sie die unterdrückten und unterprivilegierten Menschen der Welt gegen den Willen der Unterdrücker helfen. Deshalb haben die Unterdrücker entschieden etwas gegen diese Kraft zu unternehmen, die aus steigender Unabhängigkeit besteht, die sich nicht ihrer Macht beugt.

Freeman: Sie sagen also damit, weil der Iran sich nicht den Mächten unterwirft und gehorcht, wird er als schwarzes Schaf bezeichnet.

Botschafter: Genau. Der Druck dem wir ausgesetzt sind, ist klein beizugeben. Sie wollen das wir uns diesen schlechten Prinzipien und der Unterdrückung, die auf der ganzen Welt ausgeübt wird, unterordnen. Wir sagen aber Nein dazu, denn wir haben unsere eigenen Prinzipien, unsere eigene Unabhängigkeit, was von diesen Mächten ignoriert wird. Dieses Problem haben viele andere Länder, die auch unabhängig sein wollen. Die Schweiz ist ein Beispiel dafür. Jeden Tag kommt es mehr und mehr unter Druck, wegen seiner Unabhängigkeit.

Freeman: Welchen Zwang muss sich der Iran unterwerfen? Ist es der Befehl, das Land muss die globalen Konzerne ins Land lassen, damit sie die Ressourcen ausplündern können? Oder ist es der Zwang, die westliche Kultur ungehindert ins Land zu lassen?

Botschafter: Es ist eine Mischung aus all diesen Sachen. Es gibt nicht nur eine Facette der Wirtschaft für diese Welt. Wir stellen uns nicht den berechtigten Interessen der Weltkonzerne oder Ländern entgegen. Nur, nach unserer Meinung enden diese egoistischen Interessen an der Grenze eines Landes und man sollte ein ausgewogenes Interesse für Alle auf der Welt einhalten. Man darf nicht die eigenen nationalen Interessen anderen Länder aufzwingen, denn dann ist das Resultat eine Unterdrückung und das sehen wir ja überall. Wir sind völlig dagegen. Wir wollen das Recht der Völker sich selber zu regieren erhalten, die Unabhängigkeit und das Recht auf Souveränität.

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