seite3.ch: Snoopys* Wort zum Sonntag. Heute: Der Wutbürger
Michael Ringiers Schreibeigener Frank A. Meyer ist ja mein grosses Sonntagskolumnisten-Vorbild. Darum glaube ich, dass er sich sicher auch Gedanken über das Deutsche Wort des Jahres gemacht hat: „Wutbürger“. Dabei wird er versuchen, es intellektuell in einen gesellschaftlichen Kontext zu setzen und dabei kläglich scheitern, weil unter anderem Leute wie er das Problem verkörpert, das jetzt auf uns zukommt: Der Wutbürger.
Am Ende wollen alle die Gesellschaft davor gewarnt haben; vor dem wütenden Mob, vor dem Volk, das jetzt in ganz Europa die Strassen in Flammen setzt. Athen, Rom, Dublin, London, Paris, Stuttgart: Europa brennt wie seit den Studentenunruhen in den 60er Jahren nicht mehr. Allerdings lässt sich das in keiner Art und Weise mit damals vergleichen, auch wenn intellektuelle Kolumnisten darin Parallelen erkennen wollen. Vielmehr stehen wir vor einer Revolution, wie sie mit der Französischen zu vergleichen ist. Wie damals gibt es auch heute wieder einen klaren Feind der Oberklasse. Heute ist es zwar nicht mehr der König, sondern Investmentbanker, Manager, feige Hunde, die sich in grossen Limousinen und Suiten verkriechen, während sie das Volk plündern. Mit Unterstützung der Politik.

Natürlich war es am Anfang der Sozialneid, der den recht schaffenden, aber schlecht verdienenden Angestellten sauer gemacht hat. Aber auch hatte er ein wenig Hoffnung, ein Stück vom Glück zu erreichen. Darum machte das Volk bis jetzt nur die Faust im Sack und polterte frustriert über das eigene Versagen, es mit ehrlicher Arbeit versucht zu haben, während die anderen cleverer waren, das kapitalistische System bis an seine Grenzen zu strapazieren. Und darüber hinaus.

Doch immer mehr wird den Leuten bewusst, dass das Scheitern der Finanzwirtschaft der Bürger bezahlt. Das merkt man dadurch, dass man immer Steuern bezahlen muss, während es immer weniger Leistung wie Rente, Krankenversicherung oder Sozialleistung gibt. Gleichzeitig wird aber alles teurer, weil die Investment-Glücksritter einfach neue Spekulations-Möglichkeiten suchen, wie zum Beispiel Nahrungsmittel, die sich in letzter Zeit massiv verteuerten.

Die Lunte brennt also an zwei Enden. Schon bald wird die geballte Ladung an Wut, Enttäuschung und Gerechtigkeit platzen – und zwar dramatisch. Denn, man kann zwar den europäischen Bürgern ein Schuldenpaket aufbürden, das sie niemals zurückzahlen können, ohne dass sie es merken. Spätestens aber, wenn sie es merken, nämlich, wenn sie es bezahlen müssen, tätschts. Überall, schon bald.

Der Wutbürger ist also kein HartzIV-Reality-Soap-Verlierer, sondern der Mittelstand, der sich gegen die Obrigkeit erhebt. Noch sind es wenige, aber es werden schon bald die Mehrheit sein. Das ist auch die Meinung von Ueli, ein älterer Labrador eines gebildeten Professorenpärchens. Er postet immer so krasse Sachen an den zweiten Laternenmast an der Zweierstrasse. Er brünzelte übrigens schon vor einem Jahr, dass der Euro zusammenbrechen wird, wenn Irland, Griechenland, Spanien, Italien und am Ende auch Deutschland und Frankreich merken, dass sie sich gegenseitig in den Abgrund reissen. Wer die Reissleine als erster ziehen wird, provoziert womöglich einen Krieg.

Der Ursprung des Problems ist und war, dass ein Filz aus Medien, Politik und Wirtschaft das Volk bewusst falsch informieren, täuschen und sogar hintergehen. Sie sprechen von Länderrettung, meinen aber Bankenrettung, versprechen Geld für die Volkswirtschaft und schicken Geld an Privatbanken. Dafür brauchts kein Wikileaks, denn die Wahrheit kommt spätestens mit der Rechnung, die in Griechenland und Irland bereits serviert wurde…..
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