polskaweb: Schock: Jaruzelski im Nationalen Sicherheitsrat
Warschau – Der letzte kommunistische Machthaber Polens, General Wojciech Witold Jaruzelski ist wieder im politischen Geschäft zurück. Am Mittwoch um 14 Uhr wird er sogar, nach einer Einladung durch Präsident Bronislaw Komorowski, an einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in der polnischen Hauptstadt Warschau teilnehmen. Diese Erkenntnis stösst in weiten Teilen Polens natürlich auf Unverständnis, denn Jaruzelski steht nicht nur unter Verdacht Verbrechen am eigenen Volk begangen zu haben, sondern auch wegen solcher und anderen Taten derzeit vor Gericht. Als Grund für die Ausgrabung des alten Kommunisten aus der Versenkung zur Teilnahme an der heutigen Sitzung, nennt man hauptsächlich den für Dezember angekündigten Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Polen, wobei Jaruzelskis weise Kenntnisse über Russland gefragt seien. „Polskaweb“ hält diese Begründung allerdings lediglich für einen Vorwand, denn es scheint wichtigere Dinge nach dem Nato-Gipfel in Lissabon zu geben, welche aktuell eine seltsame Nervösität bzw. Aufregung bei führenden poltischen Köpfen Polens erzeugen. Wozu braucht man also den General wirklich in Fragen der nationalen Sicherheit ?

An der heutigen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Warschau wurde aber nicht Wojciech Jaruzelski zusätzlich eingeladen, sondern alle noch lebenden ehemaligen Präsidenten und Premierminister Polens, hierunter Aleksander Kwasniewski, Lech Walesa, Jan Krzysztof Bielecki, Wlodzimierz Cimoszewicz, Kazimierz Marcinkiewicz, Leszek Miller, Jozef Oleksy und sogar Jaroslaw Kaczynski, dessen Teilnahme aber noch mit einem Fragezeichen seinerseits versehen ist. Was in diesem Zusammenhang auch auf möglichweise geheime Nato- Entscheidungen hinweist, worüber man zu diskutieren habe, beweist die Einladung für den ehemaligen polnischen Aussenminister Adam Rothfeld, der als Mitglied der NATO-Expertengruppe strategische Konzepte erarbeitet.

Vermutlich wird es bei dieser Sitzung, welche es in der Konstellation noch nie gab, auch und vor allen Dingen um die innere Sicherheit gehen. Zeichen hierfür war schon der Entschluss der Regierung die Wehrpflicht abzuschaffen, um sich einer Berufsarmee von ausgesuchten Leuten schützen zu lassen. Im letzten Jahr wurden, obwohl es eh schon zu viele Sicherheitsbeamte in Polen gibt, fast Eintausend weitere Polizisten eingestellt. Bei Geheimdiensten und anderen Behörden ist ebenso ein rege Personalpolitik im Gange. Auch Nachbar Deutschland zeigt diesbezüglich rege Aktivitäten, Geheimdienste werden umstrukturiert, die Bundeswehr wird auf Patrouillen im inneren des Landes vorbereitet.

Quelle und weiter: http://polskaweb.eu/general-jaruzelski-wieder-im-geschaeft-87853332.html