ef: Marktkommentar: „Der Goldpreis ist ein Riesenproblem“
von Walter K. Eichelburg

Die unaufhaltsame Remonetisierung der Edelmetalle

Diese Aussage im Titel stammt vom Chef der Weltbank Robert Zoellick und stand in der Presse:

„Es gibt ein Riesenproblem, und ich will, dass die Leute dieses wahrnehmen“, sagte Zoellick zum Thema Gold. Es sei wichtig, dass die Regierungen der G20 über die Währungen hinaus blickten und sich auch auf volkswirtschaftliche Fundamentaldaten stützten. Die Märkte würden Gold bereits als alternative Anlagemöglichkeit nutzen, weil das Vertrauen schwinde. Gold sei so eine Absicherung gegen Ungewissheiten. „Das bedeutet, dass es ein Problem gibt, das einer Lösung bedarf.“

Einige Tage vorher schrieb Zoellick in der „Financial Times“ über einen neuen Goldstandard. Einen Tag später war die ganze Finanzpresse voll damit. Die meisten Artikel hielten einen neuen Goldstandard für undurchführbar.

Goldstandard möglich oder unmöglich?

Es ist klar, dass in den „oberen Etagen“ des Finanzsystems über das Ende des derzeitigen Fiat-Money-Finanzsystems nachgedacht wird. Dieses Mal drang etwas heraus. Man sieht wie der Goldpreis steigt – am 9.11. bis auf $1420/oz – und kann immer weniger dagegen machen. Die Gefahr eines allgemeinen Runs aus dem Papier in Gold wird dadurch immer größer. Gold wird sich auf diese Art selbst „remonetisieren“, also wieder in „Geld“ verwandeln.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird dieser Run solche Ausmaße annehmen, dass man für Papiergeld und seinen elektronischen Ableger nichts mehr bekommen wird – Hyperinflation. Dann gibt es automatisch wieder eine Art von „Goldstandard“, denn nur mehr Gold und Silber werden als Bezahlung akzeptiert werden. Die Frage ist nur, ob das chaotisch geschehen soll, oder geordnet. Die Zoellick-Aussagen zeigen, dass man das in bestimmten Teilen der Finanzeliten kommen sieht, und man möchte es geordnet unter eigener Kontrolle machen.

Ingredienzien des Goldstandards:

Im Goldstandard (bis zum 1. Weltkrieg) sind Gold- und Silbermünzen das primäre Zahlungsmittel. Der Wert des Geldes ist daher im Geld selbst drin und nicht eine Art „Systemvertrauen“. Falls Papiergeld ausgegeben wird, ist dieses zumindest zu einem Teil mit Gold gedeckt. Man kann jederzeit Goldmünzen in Geldscheine umtauschen und umgekehrt.

Zuerst einmal braucht man viel Gold. Die westlichen Zentralbanken haben aber nicht mehr viel davon, da sie ihre Bestände zur Preisdrückung verschwendet haben. Also wird man sich das Gold über Warenexporte oder den Verkauf von durch die Extremzinsen pleite gegangener Firmen und Immobilien beschaffen müssen. Die Masse der Spareinlagen wird durch eine Währungsreform eliminiert.

Dann muss man verhindern, dass das Gold abfließt. Importe sind jetzt in Gold zu bezahlen. Nachdem die Staatsausgaben Konsum sind, der wiederum meist in Importe geht, muss der Staat drastisch abspecken, etwa auf 1/5 von heute. Sonst ist das Zentralbank-Gold sofort weg. Die Bürokratie- und Sozialstaaten wie heute werden dann aufhören zu existieren. Das wird brutalste Proteste der Betroffenen auslösen.

Die Alternative zum Goldstandard:

Sobald Papiergeld als Bezahlung nicht mehr genommen wird, ist die Hyperinflation die Folge – so sind bisher alle Papiergelder untergegangen. Jeder, der noch solches Geld hat, wandelt es in Realgüter um. Damit bricht der Staat ohnehin zusammen, da er seine Beamten nicht mehr bezahlen kann. Revolutionen und Militärputsche sind die Folge.

Vermutlich wird der große Run in das Gold irgendwo ab einem Goldpreis von $1400/oz beginnen. Die Folge ist ein Systemcrash von Finanzindustrie und Staaten. Dann heißt es: entweder muss neues Geld in einem Goldstandard eingeführt werden, oder es herrscht das Chaos.

13. November 2010

Quelle:
http://ef-magazin.de/2010/11/13/2668-marktkommentar-der-goldpreis-ist-ein-riesenproblem